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Planspiel "Das ´Dritte Reich`- bewältigte Vergangenheit?" PDF Drucken E-Mail

"Es kann geschehen, überall."

Primo Levi, Die Untergegangenen und die Geretteten

 

 

Mahnmal für die Deportierten, Yad Vashem Ohne das Bemühen um eine angemessene Aufarbeitung der eigenen Geschichte kann die Gegenwart dem Einzelnen wie der Gesellschaft sich nur verzerrt darstellen. Ohne dieses Bemühen verspielen wir die Chance, aus der Vergangenheit zu lernen, um Zukünftiges zu verhindern. Das Verhältnis zur kollektiven nationalsozialistischen Vergangenheit ist ein Beispiel dafür, welche Lerndefizite in dieser Hinsicht (nicht nur) bei Schülern vorhanden sind. An dieser Stelle setzt das Planspiel der acs an. Es wurde vielfach im Rahmen von Projekten mit Schülern der Sekundarstufe II durchgeführt, die sich jeweils über ein halbes Jahr erstrecken und mit einer Studienfahrt nach Auschwitz und Warschau abschließen. Es wurde zu Beginn der Projekte durchgeführt und dient der Einführung der Teilnehmer in die Problematik und der Motivationsklärung. Das Planspiel kann auch außerhalb eines solchen Projektes durchgeführt werden; es sollten dann jedoch andere Arten der Weiterarbeit angeboten werden.

 

Kurzdarstellung des Planspiels

 

Stellen Sie sich vor, Sie wären in einer großen Behörde angestellt, ein Job in irgendeiner Bürokratie. Nehmen wir einfach an, Sie wären bei einer Eisenbahngesellschaft beschäftigt. Ihre Aufgabe bestünde darin, Fahrpläne zu erstellen oder einfach Eisenbahnwaggons für Reisende zu planen und auzustatten. Sie sind froh, daß Sie diesen Job haben; die Zeiten sind schlimm genug, viele Menschen sind arbeitslos, das politische und gesellschaftliche System ist von Krisen geschüttelt. Sie würden sich selbst als ganz normalen, durchschnittlichen Menschen bezeichnen, der seinen Arbeitsplatz und seine Familie hat.

Sie erhalten nun die dienstliche Anweisung von ihrem Vorgesetzten, spezielle Fahrpläne auszuarbeiten für Züge, die aus bestimmten, Ihnen nicht bekannten Gründen, nur in der Nacht fahren. Diese Züge sind Bestandteil eines Regierungsprogramms, von dem Sie auch schon in der Zeitung gelesen haben. Die Regierung hat beschlossen, vor allem arbeitslose Ausländer vom wirtschaftlich schwachen Norden derRepublik in den wirtschaftlich starken Südwesten umzusiedeln und dort neue Arbeitsplätze zu schaffen. Ihr Vorgesetzter betont Ihnen gegenüber die Dringlichkeit und Priorität dieses Projekts, das, wie alles in der Zeit, aus Kostengründen so schnell und sparsam wie möglich abgewickelt werden muß. Falls Sie nicht für die Fahrpläne sondern für die Eisenbahnwaggonaustattung zuständig wären, würden Sie nun ebenfalls in dieses Projekt involviert und müßten spezielle Wagen entwerfen, die Platz für 50 Umsiedler böten.

Welcher Grund bestünde, diesen Job nicht zu erledigen, mit Arbeitsverweigerung oder Kündigung zu reagieren? Nicht der geringste? Wann würden Sie diese Konsequenz ziehen und das Risiko Ihrer Entlassung tragen, d.h. des Arbeitsplatzverlustes mit allen Folgen für Sie und Ihre Familienangehörigen? Wenn Sie erfahren, daß nicht 50, sondern 150 Personen pro Waggon umgesiedelt werden? Daß auch Kinder und alte Menschen dabei sind? Aber Sie sind ja nicht für die Belegung verantwortlich, Sie stellen doch nur den Fahrplan oder statten die Waggons aus! Würden Sie reagieren, wenn Sie erfahren, dass während der Transporte auch Menschen zu Schaden kommen? Oder dass der Zielort der Transporte, wie Sie den Zeitungen beiläufig entnehmen können, mit hoher Wahrscheinlichkeit radioaktiv verseucht ist, dass die Umsiedler also in den sicheren Tod geschickt werden? Niemand würde bei so etwas mitmachen, jeder würde sich verweigern, ist Ihre erste Vermutung. Aber wir wissen es aus der Geschichte (und der Gegenwart) leider besser - dieses fiktive Szenario ist die Grundlage des Planspiels und hatte eine vergleichbare historische Realität. (...)

(Andreas Kraus)

 

Downloads und Grafiken

 

strukturschema.pdf  6.59 Kb

zuglaufzettel.pdf 10.85 Kb

kraus_acs_planspiel.pdf 22.49 Kb

 

Vollständige, digitalisierte Ausgabe des Planspieles (zip-Archiv, 8,9 mb)

 

Das Planspiel selbst einsetzen

Die Materialien des Planspieles gibt es als Vorlage und mit einem Kommentar versehen. Von der ursprünglichen, heftklammergebundenen Ausgabe gibt es nur noch einzelne Exemplare. Alle, die das Planspiel nutzen wollen, können aber die digitalisierten Unterlagen (im .odt- und .pdf-Format) herunterladen und nutzen. Für den regelmäßigen Einsatz des Planspieles empfehlen wir das Erstellen einer "Planspiel-Kiste", wozu wir auch gerne Tips geben.

Zum Planspiel "Das 'Dritte Reich' - bewältigte Vergangenheit?" bieten wir soweit möglich auch gerne eine Beratung für die Planung, Vorbereitung und den Einsatz an. In besonderen Fällen können wir das Planspiel auch in Kooperation mit anderen Veranstaltern durchführen.
Bitten nehmen Sie bei Interesse Kontakt mit uns auf. Wir freuen uns sehr über jede kurze oder lange Rückmeldung, wenn das Planspiel irgendwo eingesetzt wurde! Vor allem, wenn es Anmerkungen gibt, wie wir die Vorlagen und Hilfsdateien in der digitalen Version verbessern können.

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 22. Mai 2011 um 12:07 Uhr